Das Mechanische Theater Ein wasserbetriebenes Wunderwerk

Die Krone der wasserbetriebenen Wunderwerke bildet aber das Mechanische Theater, das in dieser imposanten Größe und detailgetreuen Ausbildung wohl niemand an dieser verborgenen Stelle des Parks vermuten würde. Erst unter Erzbischof Andreas Jakob Graf Dietrichstein (1747-1753) von 1748 bis 1752 gebaut, bildet das Mechanische Theater das jüngste Element der wassermechanischen Kostbarkeiten in Hellbrunn. Es wurde anstelle einer figurenreichen von Wasser bewegten Schmiede errichtet, die 1741 stillstand. Der Bergarbeiter Lorenz Rosenegger von Dürrnberg erbot sich am 12. Juli 1748, die Grotte neu zu gestalten. Ursprünglich war nur an die Erneuerung der Schmiede gedacht, aber der erste Plan wuchs sich zu dem bis heute erhaltenen großen Automatentheater aus, das am 28. Oktober 1752 vollendet war.

Es wird darin ein turmartiger Palast dargestellt, vor dem das höfische Leben des 18. Jahrhunderts mittels wasserbetriebener Marionetten dargestellt wird. Dieser Palast wird halbkreisartig von einem dreigeschossigen Gebäude umgeben, das zum Teil den Blick in sein Inneres freigibt. In und um dieses Gebäude herrscht reges Leben: Insgesamt 142 bewegliche und 21 unbewegliche Figürchen demonstrieren alle erdenklichen Gewerbe und Handwerke dieser Zeit. Man wird nicht müde, immer wieder andere Püppchen bei ihren typischen Aktionen zu beobachten. Sei es die Arbeiterpartie, die am Bau arbeitet, vom Tagwerker, der Baumaterial befördert bis zum Polier, der trinkt; sei es die Metzgermannschaft, die einen Ochsen schlachtet, oder der Barbier, der unter seinem Zunftzeichen einen Mann rasiert.

Emsiges Treiben herrscht auch auf der Straße: Ein Tanzbär wird vorgeführt, Wachen defilieren vor der Residenz, ein Bauer fährt ein altes Weib in der Scheibtruhe über die Straße. Auch Figuren aus der Commedia dell’arte sind zu sehen, und wenn man will, kann man sogar den sozialen Stand der beteiligten Figuren herauslesen. Die vornehmeren bewegen sich weniger und langsamer als die werktätigen. Immer wieder könnte man neue Einzelheiten entdecken und sich an der putzigen Anlage ergötzen. Größte uhrmacherische Sorgfalt und wassertechnische Fähigkeit beleben dieses ergötzliche Genrebild mit scheinbarer Leichtigkeit. Daß sich hinter dem Theater die gesamte Technik mit Wasserrädern, Kupferdrähten und Zahnrädern befindet, verrät nur der ohrenbetäubende Lärm, wenn das Werk in Bewegung gesetzt wird. Wohl auch, um diesen zu übertönen, wurde Rosenegger verpflichtet, auch ein „Orgl Werckh“ nach dem Vorbild des „Salzburger Stiers“ auf der Festung Hohensalzburg zu errichten, das ausschließlich durch Wasserräder zu bedienen wäre.

Im Juni 1753 wurde das Orgelwerk, welches zu dieser Zeit 35 Pfeifen besaß, von Hofkapellmeister Johann Ernst Eberlin und Orgelbauer Rochus Egedacher zum ersten Mal gestimmt. Ursprünglich konnte zwischen drei Musikstücken, die allesamt aus Eberlins Feder stammten, gewählt werden, heute entsprechen den drei Stiftreihen auf der mächtigen Holzwalze folgende Musikstücke: Ein Choral von J. E. Eberlin, das Duett „Reich mir die Hand, mein Leben“ von W.A. Mozart und das Handwerkerlied „Ohne Rast, angepackt“ von D. F. Auber.

Homo ludens IX, AutomatenSpiele

Internat. Beiträge des Institutes für Spielforschung und Spielpädagogik an der Universität Mozarteum Salzburg, Verlag Bernd Katzbichler, München-Salzburg, 9. Jahrgang 1999. Beitrag: Ein Vergnügen für den Erzbischof. Die Automaten der Wasserspiele am Lustort Hellbrunn, Katharina Müller-Uri

 

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