Das Steintheater Die Geschichte der Hellbrunner Naturbühne

Seit 400 Jahren sind sich alle Besucher einig in ihrer Wertschätzung für das Steintheater. Johann Stainhauser, der Sekretär des Bauherrn Markus Sittikus, erwähnt in seiner Hellbrunn-Beschreibung das in den Fölsen ausgehauene, und artlich accommodierte schön und grosse Theatrum, welches mit sonder Vleiß und Kunst, also durchbrochen, und zu agierung der Pastoralen zuegerichtet, das die Persohnen überall aus den Fölsen artlich herfür kommen, darob sich die Auditores und ZuerHörer nit wenig verwundern.

Margherita Costa beschreibt es 1628 als ein natürlich gebildetes Amphitheater und sieht mit der Hofgesellschaft eine Pastorale mit der Sünderin Magdalena. Der bayerische Hofpoet Domenico Gisberti rühmt es als etwas ganz Rares, vielleicht Einzigartiges auf der ganzen Welt […] halb Höhle halb kunstfertig aus dem Stein herausgemeißelt […] das ungewöhnlichste Bauwerk.

Um 1700 wird die wundersame Felsenbühne, an welcher die Natur selber den Bau geführet mit einem solchen Ansehen, den die Kunst ihm nicht zuwege zubringen vermocht hätte, vom kaiserlichen Architekten Johann Bernhard Fischer von Erlach gezeichnet, der den Stich danach 1721 in seiner „Historischen Architektur“ abbildet. Auch der aufgeklärte Graf Spaur sagt bewundern: "Noch kein Meisel hat die Natur bis zur höchsten Täuschung so meisterhaft nachgeahmt".

Der Wettstreit zwischen Kunst und Natur war ein Thema, das vor allem die Barockzeit, aber auch die Gartenarchitekten der Romantik tief bewegt hatte. Die Natur steuerte in Hellbrunn die Erhabenheit des Eingangs bei, die Kunst schuf das Meisterwerk der Bühne; die Natur führte den Bau, die Kunst brauchte sich nur einzurichten. Das Steintheater war in Salzburg ab 1617 der zweite Spielort gewesen, den Markus Sittikus für seine Musik- und Theaterleidenschaft eingerichtet hatte.

Die erste musikalische Darbietung im Steintheater, ein Pastoral, fand am 28. August 1617 statt. Erzbischof Markus Sittikus, leidenschaftlich dem Theater und der Musik hingegeben, wollte sogar Bühnenpraktiker aus Mantua nach Salzburg holen, die in der Residenz eine moderne Bühne einrichten sollten. Der berühmte Sänger Francesco Rasi, der in Mantua die Titelrolle in Monteverdis Orfeo gesungen hatte, war 1612 am Salzburger Hof gewesen und hatte Markus Sittikus die Musikhandschrift Musiche da camera e chiesa gewidmet. Es bestand eine enge Beziehung zwischen dem Haus Gonzaga und Markus Sittikus, die sowohl für Theater und Musik als auch für die bildende Kunst – die Kampffriese im Carabinierisaal etwa – fruchtbar war. Markus Sittikus‘ Bruder Kaspar hatte für derlei Theaterkultur nicht das geringste Verständnis, er schrieb abschätzig an seinen Sohn: "Viele reden übel von dem großen Geld, so ungespart welschen Musikanten, Comedianten und dergleichen Leuten angehängt wird, und wann sie nit selbst kommen, sogar beschickt werden, und dass eine fürstliche Person wider ihre Reputation selbst große Zeit mit Preparierung solcher Comedien unter disem Gesindel zubringe".

Der Salzburger Festspielgedanke sollte in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts sogar in Hellbrunn verwirklicht werden, die Festspielhaus-Gemeinde ließ durch den Berliner Architekten Hans Poelzig südlich des Steintheaters, dort wo sich heute das Nashorngehege befindet, einen Festspielbezirk mit Opernhaus, Schauspielhaus und Restauration planen. Max Reinhardt soll prophetisch gesagt haben: "Das kommt niemals zustande". Tatsächlich entwertete die Inflation rasch die nicht unbeträchtlichen für den Bau gesammelten Geldmittel.